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„Seh-Fühlen“ in der Osteopathie
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Fachgespräch mit Heilpraktikerin Sabine L. Schönberg
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1. Osteopathie ist eine feinfühlige Methode zur Behandlung von Krankheitssymptomen. Wie genau gehen Sie dabei vor? Sabine L. Schönberg: Die Wahrnehmung des Patienten und seiner Symptome beruht auf einer Art „Sehfühlen“, d.h. meine Hauptwahrnehmungskanäle sind das Sehen und Fühlen, die sich in meiner Wahrnehmung gegenseitig befruchten. In dieser Kombination von Sehen und Fühlen erforsche ich, ob Verspannungen im Körper des Klienten strukturell (Knochen, Muskeln, Organanheftung, Faszien etc.) oder vegetativ (Spannung im autonomen Nervensystem) sind oder ob sie eher vom Emotionalkörper ausgehen. Es braucht Talent in den Händen dazu, doch die feine Wahrnehmung wird auch durch Übung ausgebildet. Mir fiel es schon immer leicht, die unterschiedlichen Spannungen in einem menschlichen Gewebe wahrzunehmen. Wer ist Sabine L. Schönberg? 2. „Sehfühlen“ – Was ist das genau? Sabine L. Schönberg: Wenn ich einen Menschen in der Untersuchung anschaue, dann sehe ich zunächst wie er steht und wie die Anspannungen im Körper verlaufen. Gleichzeitig fühle ich aber auch über eine Resonanz im eigenen Körper wie es ist, in der Art des Klienten zu stehen. Zum Beispiel lebt der Patient vielleicht zu schnell für seinen Körper. Oder er hat eine Verkrampfung im Körper, die es ihm erschwert, wach, in diesem Moment zu sein. Dieses „Sehfühlen“ lässt Bilder in mir entstehen, die mit meinem anatomischen und medizinischen Wissen vervollständigt werden. Wenn ich die Augen schließe und in das Gewebe hineinfühle, kann ich spüren, ob beispielsweise die Aufhängung der Organe verfestigt ist, oder ob eine andere Ursache für eine Verspannung vorliegt. Während ich in dieser Weise „sehfühle“ erkenne ich alle möglichen Zusammenhänge im Körper. Ich lege dann meine Hände auf bestimmte Bereiche des Körpers und gehe geistig bestimmte Gewebsebenen durch. „Jetzt bin ich auf der Hautebene – wie fühlt sich das an? Nun bin ich auf dem Muskelgewebe – wie fühlt sich das an? Dann die Knochen und die Flüssigkeitsebenen...“ In der Osteopathie sagt man auch „sehende, fühlende wissende Finger“ haben…. Siehe dazu auch Was ist Osteopathie?
10 Osteopathen – 10 verschiedene Behandlungsmethoden
3. Was unterscheidet Ihren Ansatz von dem anderer Osteopathen? Sabine L. Schönberg: Jeder Osteopath nutzt unterschiedliche Türen, um Menschen zu erreichen. Wenn jemand mit seinen Beschwerden zu zehn Osteopathen geht, wird er wahrscheinlich zehn verschiedene Behandlungen erfahren, die alle gut und richtig sein können. Einer meiner Schwerpunkte ist die Schaltstelle Nervensystem. Die Neurologie insbesondere alles was mit Stress und Verarbeitung von Stress zu tun hat, war schon immer sehr interessant für mich. Nach meiner Erfahrung mit Krankheiten genügt es nicht, strukturelle Verspannungen im Muskelgewebe zu behandeln. Oft spüre ich eine Überladung des Nervenssystems, die die Gesundheit beeinträchtigt. Diese kann organische (z.B. durch eine bestehende oder vorangegangene Erkrankung) oder emotionale Ursachen haben. Deshalb habe ich gezielte Methoden entwickelt, auch auf das vegetative Nervensystem einzuwirken. Außerdem habe ich mein Behandlungsangebot um die Methode Somatic Experiencing ® zur Behandlung von Trauma erweitert. 4. Was ist Ihre einzigartige Kompetenz? Sabine L. Schönberg: Ein großer Teil jeder Therapie ist die Beziehungsebene. Das Feedback meiner Klienten bestätigt mir eine Art Präsenz, die ihnen ermöglicht, sich fallen zu lassen. In relativ kurzem Zeitraum fassen sie Vertrauen und zeigen sich mir mit ihren Prozessen. Wenn ein Therapeut sehr technisch arbeitet, dann wird das Vertrauen oft nicht so sehr eingeladen. Ich erschaffe einen wertfreien Raum, in dem Dinge da sein können, selbst Widerstände und schwierige Emotionen. Siehe dazu auch Osteopathin Schönberg – Ausbildung und Arbeitsweise 5. Was berührt Sie bei Menschen? Sabine L. Schönberg: Mich berührt, wenn ich an den Kern des Menschen komme. Dieser ist jenseits von der Persönlichkeit, die jeder von uns anderen Menschen glaubhaft darstellen möchte. Es berührt mich, wenn Verletzungen durch diese Persönlichkeitsstruktur schimmern. Es berührt mich, wenn ich die Not eines Patienten erkenne und auch dessen Ernsthaftigkeit, aus allem herauskommen zu wollen. Dann möchte ich seinen Prozess mit all meinen Kräften unterstützen. 6. Was ist der Unterschied von Osteopathie zu Orthopädie? Sabine L. Schönberg: Die Osteopathie bezieht mehrere Körpersysteme mit in die Behandlung ein. Ein Orthopäde hat sehr kurze Zeittakte für die Behandlung eines Patienten. Normalerweise helfen die Ärzte mit Symptombehandlung, sie setzen technische Werkzeuge ein. Trotz ihres umfassenden Wissens denken Orthopäden oft einseitig: „Das ist ein Schulterproblem - also wird die Schulter behandelt“. Ein Osteopath sieht sich bei Schulterschmerzen die Gesamtstatik des Patienten an und geht auf zusätzliche Beschwerden des Patienten ein. Möglicherweise tut ihm nicht nur die Schulter weh, sondern er hat auch noch Herzrasen oder Atemnot... Die Osteopathie versucht alle Signale des Patienten zu einem Gesamtbild zusammenzustellen und in der Behandlung zu berücksichtigen.
Geheimnis für Gesundheit: Fließen!
7. Osteopathie harmonisiert Körperflüssigkeiten – was bedeutet das? Sabine L. Schönberg: Stagnierendes Gewebe ist wie ein stagnierender See. Ohne Zu- und Abfluss versumpft dieser nach und nach und wird giftig. Genauso verhält es sich mit dem Gewebe. Es muss gut versorgt und entsorgt werden, damit Informationen und Nährstoffe verarbeitet werden können. Der Mensch bleibt dann beweglich, sowohl körperlich als auch geistig. Es gibt einige Grundsätze in der Osteopathie, zum Beispiel: „Die Funktion der Arterie steht an erster Stelle.“ Den großen Gefäßen, die den Körper versorgen, folgen die Nerven und auch die Lymphgefäße nach. Das Blut transportiert die Informationen, auch Neurotransmitter und Hormone. Dadurch wird der Körper mit Nährstoffen versorgt. Wenn ich als Therapeut den Fluss des Blutes- d.h. auch dessen Umgebung - befreie, kann auch die Nervenleitung und die Entgiftung verbessert werden. 8. Wie funktioniert Selbstheilung? Sabine L. Schönberg: Wenn der Informationsfluss zwischen den Geweben und Zellen in Bewegung ist und die Nerven gut versorgt werden, können die Zellen frei miteinander kommunizieren und sich dadurch ein harmonisches Gleichgewicht einstellen. Das ist Selbstheilung. Wenn der Informationsfluss unterbrochen ist oder sich „verdreht“, das heißt „falsche“ Informationen weitergeben wird, dann kommen Beschwerden zustande. So entsteht Krankheit. Weitere Informationen über psychosomatische Symptome 9. Ein Beispiel: Jemand hat einen Unfall – wie kann die Osteopathie helfen? Sabine L. Schönberg: Auf der körperlichen Ebene kann die Osteopathie helfen, wieder ein Gleichgewicht herzustellen. Je nach Schwere der Verletzungen erfolgt die Behandlung in Zusammenarbeit mit anderen Fakultäten. Ein Knochenbruch muss möglicherweise operiert werden. Bei einem Unfalltrauma, also einer Bindung von traumatischer Energie im Nervensystem durch das Schockerlebnis, würde ich noch eine zusätzliche Behandlung in Traumabegleitung mit Somatic Experiencing ® empfehlen. Hier wird durch gezielte verbale ressourcen- und körperorientierte Begleitung eines Menschen mit Schockerlebnissen gearbeitet. Ich unterstütze dabei die Entladung der gespeicherten Trauma-Energie aus dem Nervensystem, sowie dessen Reorganisation. Siehe dazu auch Anwendungsgebiete für Osteopathie 10. Ist Osteopathie auch für ältere Menschen hilfreich, deren Körpersysteme sich über die Jahre verfestigt haben? Sabine L. Schönberg: Die älteste Patientin, die ich behandelt habe, war über 90 Jahre alt. Sie war in der Straßenbahn gestürzt und hatte seitdem durch einen Sturz aufs Steißbein Rücken- und Kopfschmerzen. Sie war für die osteopathische Behandlung sehr aufgeschlossen. Ihre Schmerzen gingen weg und sie genoss nach eigener Aussage die Entspannung, die die Einzelsitzungen bei ihr bewirkten. Es spielt keine Rolle, wie alt jemand ist, eine osteopathische Sitzung hilft jedem Menschen. Ich kann allerdings Gewebe, das altersbedingt zerschlissen oder das wegen eines Unfalls oder einer Erkrankung kaputtgegangen ist nicht wieder „ganz“ machen. Es ist jedoch möglich, dem Gewebe zu helfen, zu einem, diesem Alter entsprechenden, optimalen Gleichgewicht zu kommen. Was bedeutet, die Beweglichkeit zu verbessern und die Beschwerden zu mindern.
„Muskelkater“ nach einer osteopathischen Sitzung
11. Ist eine Osteopathie Sitzung unangenehm oder schmerzhaft? Sabine L. Schönberg: Die Behandlung an sich ist sehr sanft und im eigentlichen nicht schmerzhaft. Es kann jedoch trotzdem manchmal zu Schmerzen kommen, nach der Behandlung etwa kann so etwas wie Muskelkatergefühl auftreten. Der Körper hatte vor der Sitzung sehr viel Muskelarbeit geleistet, um eine bestimmte Körperhaltung aufrecht zu halten und um Spannungen auszugleichen. Wenn über einen langen Zeitraum eine Fehlhaltung eingenommen wird und diese dann wieder gelöst wird, dann kommt es zu diesem Gefühl von Muskelkater. Manchmal kommt ein Patient mit sehr stark traumatisierten Hintergrund. Es kann passieren, dass in einer Einzelsitzung Traumaenergie entladen wird und es ihm dadurch möglich wird Spannungen, die aus dem Bewusstsein verdrängt waren, wieder bewusst wahrzunehmen. Dadurch erscheint es vordergründig so, dass die Beschwerden erst einmal deutlicher zu spüren sind. Hier ist es angeraten in Kombination mit Somatic Experiencing besonders langsam vorzugehen und die Verspannung nicht mit aktiven Techniken lösen zu wollen, da sie Teil der traumatischen Abwehrspannung sind und schrittweiser, behutsamer Entladung und Lösung bedürfen. Siehe dazu auch Traumabegleitung mit Somatic Experiencing®
Was unterstützt den Behandlungserfolg?
12. Eine individuelle Sitzung – was bedeutet das? Sabine L. Schönberg: Beschwerden können bei jedem Menschen unterschiedliche Ursachen haben. Nehmen wir das Beispiel einer schmerzenden Schulter. Zuerst sehe ich mir den Krankenverlauf an. Dann: Wie steht der Mensch, wie ist die gesamte Umgebung der Schulter und wie ist die entsprechende Organaufhängung, die in der Nähe ist. War da einmal etwas mit der Lunge? Vielleicht gibt es Dinge, die in diesem Bereich gelöst werden müssen. Ich versuche, Informationen zu sammeln, die speziell auf diesen einzigartigen Menschen zutreffen. Wenn sich die Spannungen lösen, dann schaue ich auf das individuelle körperliche Gleichgewicht des Patienten. Was empfindet der Patient als angenehm? Es mag beispielsweise sein, dass der Kopf nicht lotgerecht gehalten wird und sich der Patient trotzdem mit dieser Haltung entspannt. Es gibt keine Haltung, die für alle Menschen passt. Das individuelle Gleichgewicht nimmt eine ganz unterschiedliche Gestalt ein. Siehe dazu auch Behandlung mit Craniosacraler Osteopathie und Behandlung durch Tiefenentspannung 13. Wird es einem Patienten gleich nach der Behandlung besser gehen? Sabine L. Schönberg: Das ist unterschiedlich. Es gibt Fälle, meist mit akuten Symptomen, die sehr schnell behandelt werden können. Manchmal sind die Beschwerden nach ein bis zwei Behandlungen weg oder es wird eine deutliche Besserung erfahren. Es gibt Fälle mit größerem Hintergrund, wo das Symptom sozusagen die Spitze des Eisbergs ist und es nicht so klar ist, was die eigentliche Ursache für die Beschwerden ist. Dann gehe ich nach dem „Zwiebelprinzip“ vor: Schicht für Schicht wird gelöst und dann kann es sein, dass mehrere Behandlungen notwendig sind. 14. Kann der Patient den osteopathischen Behandlungserfolg unterstützen? Sabine L. Schönberg: Auf jeden Fall! Individuell zeige ich Übungen, die gemacht werden können, um ein Gegengleichgewicht zu einer bevorzugten Haltung im Alltag zu schaffen. Wenn beispielsweise Übergewicht ein Thema ist, dann rege ich die Patienten an auch dieses Thema anzugehen. Ich gebe den Klienten Impulse, das neue Gleichgewicht weiterhin im Alltag aufrecht zu erhalten. 15. Wie viele Sitzungen sind bei chronischen Schmerzen notwendig? Sabine L. Schönberg: Auch das ist sehr individuell. Ich empfehle ein paar Sitzungen zu machen, auch um herauszufinden, ob die Methode überhaupt anspricht. Manchmal sind die Abstände, in denen Patienten zu mir kommen, monatelang. Ich habe Klienten, die nur zweimal im Jahr zu einer osteopathischen Behandlung kommen. Gerne wird die Osteopathie auch zur Prävention benutzt. Das Interview führte Samarpan P. Powels, 2009 Wer ist Sabine L. Schönberg? Aktuelles aus der Praxis Nützliche Links |
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Lernen Sie Osteopathie kennen! Hier ein Interview mit S .L. Schönberg über ihren Behandlungsstil und den Ablauf einer osteopathischen Behandlung. |
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